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GEDANKEN
von Hartmut aus Elsterwerda, August 2009
„LoUp GaRoU“ ist gestorben:
Willy DeVille ist tot!
Er war eines der letzten Originale der Rockmusik, ein Unikat und
musikalischer Weltenbummler gleicher-maßen, der letzte Dandy mit dem
Hauch eines Machos. Der Amerikaner Willy DeVille erlag mit 58 Jahren
einem Krebsleiden.
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Mitte der 70er gründete er seine Band Mink DeVille und mit der
LP „Babretta“ schrieb er sich auf Ewigkeit in die Rock-Analen
ein.
DeVille spielte abseits des Mainstream mit einer
hocherotischen Musikmixtur auf den Bühnen der Welt seinen
lasziven und schwülen Tanz mit Songs wie „Love & Emotion“. Der
Mann mit dem schmalen Menjoubärtchen, dem rückenlangen lockigen
Haar mit einer Seidenschleife darin und der roten Rose am
Mikrofon-ständer, verstand es wie sonst keiner, Erotik und
feinfühligen Sex von der Bühne zu strahlen, ohne dabei auch nur
einen Hang anzüglich zu wirken, wenn er
„Each word’s a beat of
my heart“
sang oder seine Version des legendären
„Stand by me“.
Willy DeVille brachte es fertig aus Hendrix’s „Hey Joe“ einen
Karibik-Blues zu zaubern und bei
„Italian shoes“
pikant die
männliche Eitelkeit zu bedienen. |
Aus dem Stones-Hit
„You better move on“
machte er einen süßen Erotik-Tanz und war doch am besten, wenn er seine eigenen Songs wie
„Love me like you did before“
ins Mikro hauchte oder
„When you’re away from me“
schmerzvoll intonierte.
Die rockende Frauenwelt lag ihm weltweit zu Füßen, männliche Genießer
hörten seine Musik zu Hause oder in Bars mit einem guten Rotwein im Glas
und einer verführerischen Schönen im Arm. Es gab keinen zweiten wie ihn,
mit so einer verführerischen Stimme und es wird nie wieder einen geben.
Das stimmt traurig, sein Tod macht betroffen. Wieder einmal!
Seine lebenssüchtigen und oftmals bittersüßen balladesken Songs werde
ich vermissen, seinen Mut, sich so zu geben, wie er fühlte, erst recht.
Mein Wunsch, wenigstens ein Mal im Leben die schwülwarme Melange seiner
Songs und seine einzigartige Stimme LIVE erleben zu können, wird sich
jetzt nicht mehr erfüllen lassen. Was mir und vielen anderen bleibt ist
seine Musik, mir bleiben seine Platten und manchmal vielleicht auch
Momente, da ich mich in einer Ecke mit seinen Songs verkriechen werde
„Maybe tomorrow“

"To my angels, without whose wings, I could not fly"
Bericht von HH aus EE, Januar 2009
CÄSAR
Konzert zum 60. Geburtstag im Anker Leipzig
Lieber
CÄSAR,
wieder stehe ich im „Anker“, reichliche zwei Jahre nach dem
Gedenkkonzert für Klaus „Jenni“ Renft, der meinte, dass wir auf
seinem Grab tanzen sollten. Damals war ich das erste Mal überhaupt
hier und es tat weh im Herzen.
Jetzt bin ich wieder an diesem Ort und stehe, wie so oft in den
letzten zwei Jahren, etwa in der zweiten, dritten Reihe gegenüber
dem Mikro, vor dem Du immer mit Deiner Gitarre standest. Es ist
heute die Party zu Deinem 60. Geburtstag und alle sind sie gekommen:
Ich treffe Tamara und Achim aus Köthen, Kuo und Rita aus (Agfa)-Wolfen,
irgendwo sind Dietmar und RüLü mit ihren Kameras. Neben mir steht
die blonde Petra aus Berlin sowie Sabine und Andreas aus Cottbus auf
der anderen Seite.
Kundi ist gekommen und wo der auftaucht, sind auch Lissi und Mary
nicht weit. Mein Freund „Wodka“ war aus Aschaffenburg angereist, um
diesen Abend zu erleben. Auch Reinhard Fißler ist unter den
Anwesenden.
Mir ist, als könnte ich Deinen Blick spüren. Irgendwo von da oben,
von der Galerie vielleicht, beobachtest Du mit Deinem stillen
Lächeln das Geschehen und möchtest eigentlich mit da unten auf der
Bühne stehen. Doch es wird heute anders sein als sonst, aber auch
wieder nicht, denn solange wir noch da sind, wird diese Hütte auch
immer wieder voll werden!
Das machen wir Dir zu Ehren, sicher, aber
ich tu es auch,
weil ich diese Deine Musik zum Leben brauche wie
Luft, Wasser und Liebe.
Denen da auf der Bühne, die in den nahezu drei Stunden Deine Lieder
singen und spielen, scheint es ebenso zu gehen. Noch einmal lassen
Deine (Mit)Spieler ihre Instrumente und Stimmen gemeinsam mit Dir
erklingen.
„Wie’s nie kommt“ singt Dein Freund Burghard und Bernd Fleischer fügt Dein wuchtiges
„Hallelujah“
hinten an.
Karussell-Erinnerungen werden lebendig, als Oschek die Geschichten
von
„Mac Donald“
und vom
„Gelben Mond“
erzählt und Dein Sohn Robert im ganz eigenen Stil
„Nämlich bin ich glücklich“
singt. Da schweifen meine Gedanken weit zurück, damals, als auch
noch Claus Winter mit seinem Bass neben Dir auf der Bühne stand -
was hab’ ich da für einen Kloß im Hals!
Wenn man traurig wird, hilft der Blues. Den gibt’s reichlich auf die
Ohren und damit auch wieder Episoden von Dir, erzählt von Burghard - „Hallo, Mr. Biedermann“ -
und dem Blues-Urgestein Big Joe Stolle, der sich
„Whisky“
und
„Mein Bruder Blues“
ausgesucht hat, zwei Gefährten, die auch er ganz gut kennt. Dieser Blues
geht in den Bauch und in die Beine und hunderte begeisterte Stimmen im
Saal antworten, als „Boddi“ Bodag fragt:
„Geht es dir gut?“
Klar doch, wenn der
„Mitternachtsblues“ den Saal rockt und die schweißwarme Luft die Kälte vergessen
lässt.
Wer
CÄSAR sagt, meint oft Renft und wenn einer von
„Mama“
singt, kann das nur Monster sein. Schön Alter, dass du da oben
stehst und uns den „Wandersmann“ machst und uns die
„Flüsse und Tränen (fort ins Weltmeer)“
singst, endlich auch wieder LIVE. Da ist sie wieder und immer noch,
diese Urgewalt an Stimme und die Macht der Gefühle - zwei Legenden, Renft und CÄSAR, aber ein Gedanke:
„Ich und der Rock“.
Immer wenn ich
„Besinnung“
höre, werden mir die Knie weich und die Augen feucht. Mensch, Robert und
Moritz, das war hart an der Gefühlsgrenze und es muss schon ein
besonderer Moment sein, wenn Grauhaarige weinen. Da passen „CÄSAR’s Blues“
und der „Baggerführer Willi“
ganz gut, um sich wieder emotional aufzurappeln und Dirk Zöllner
ist auch der richtige Typ dafür.
Ich habe nicht nachgezählt, wie viele Musiker und fleißige Helfer, allen
voran Simone Dake, diese Stunden gestaltet haben, auch wenn die „Lütte“
sie alle genannt und den Abend in ihrer ureigenen Berlinerischen Art
bewegend moderiert hat. Es ist schon etwas besonderes, eine solche
Musikanten-Familie zu erleben, in ihren Gedanken und Gefühlen eins mit
uns, die wir in den „Anker“ gepilgert sind. Dennoch würde ich mich gern
Volkmar anschließen, als er gleich zu Beginn sagte:
„Ich wollte schon
immer singen, aber ich hätte lieber darauf verzichtet.“

Als das Flöten-Intro die
„Rose“ ankündigt, sind meine Gefühle nackt und wie ich mit meinen
feuchten Augen noch erhaschen kann, bin ich damit nicht allein. Die
Bilder auf der Leinwand erzählen noch einmal aus Deinem Leben und als
die Hände nicht mehr klatschen, können sie die Stille fassen - auf der
Bühne, im Saal, auf der Galerie, überall.
Jetzt würdest Du 60 sein und ich könnte Dir, wie ich es versprochen
habe, einen
„Apfeltraum“
in Dur singen. Ich hab’s getan, CÄSAR, gemeinsam mit vielen Freunden und
Weggefährten und leider auch in Moll. Ich singe ihn wieder und wider das
Vergessen ... versprochen!
Da draußen ist Januar im Jahre 2009 und diese Nacht ist arschkalt. Was
bin ich froh, mich mit diesem Gefühl der inneren Wärme auf den Weg nach
Hause begeben zu können, mit Erinnerungen im Herzen an ein heißes
Konzert und an diesen einmaligen und warmherzigen Menschen CÄSAR
sowieso.
Dieser kalte Januar wird bald vorüber sein, die Erinnerungen
verblassen nie !
Seid mir gegrüßt, Ihr Weggefährten !

KONZERTIMPRESSIONEN
von Hartmut

von HH aus EE, Oktober 2008
Für einen Freund
„Es gibt Momente, da stellen sich die Weichen ...“
singt Hansi Biebl in einem seiner Lieder.
Jeder kennt solche Momente in seinem eigenen Leben. Meist rückblickend,
erkennend und begreifend: Die erste große Liebe, die abschließende
Prüfung oder eine scheinbar alltägliche Begegnung, deren Stellenwert man
erst Jahre später begreift.
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Mir ist aus meiner Jugend ein Titelbild der Satirezeitung
"Eulenspiegel" in Erinnerung, auf dem laut singende Jugendliche
dargestellt waren und darüber die Zeilen
„Ei wont to hol’ your Hemd”
Dieses “I want to hold your hand” und “She loves you - Yeah,
Yeah, Yeah“ haben sich damals sehr tief in mein Leben
eingebrannt.
In das Leben einer ganzen Generation. Das rebellische und
aufmüpfige Sahnehäubchen folgte kurz darauf mit “(I can’t get
no) Satisfaction” und als dann auch noch „My Generation“ aus den
Radios donnerte, war’s um mich völlig geschehen.
Der Moment, um den es hier gehen soll, liegt im Jahre 1970 und
war ein Konzert in Elsterwerda mit der Klaus Renft Combo. Ich
hatte Renft schon zwei / drei Jahre vorher mit Hans-Jürgen Beyer
als Sänger erlebt, der auf der Bühne kniend wie Paul Jones
dieses bewegende "Set me free“ aus dem Film "Privilege" sang. |
1970 stand mit CÄSAR ein Gitarrist auf der Bühne, mit dem ich mich von
diesem Moment an vollkommen identifizieren konnte. Der war schüchtern
wie ich, spielte Gitarre, wie ich es gern gekonnt hätte und sang Lieder,
deren Inhalte meine Gefühle rotieren ließen - "Hab’ gelegen unterm
Apfelbaum“. Von da an war ich das, was umgangssprachlich Fan genannt
wurde und Renft war eine Quelle, aus der ich schöpfen durfte.
Peter „CÄSAR“ Gläser ist so alt wie ich.
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Im unschuldigen Alter von sieben lernte er das Flötenspiel - ich
übte von meinem 7. bis 14. Lebensjahr auf einer Geige. In seiner
Biografie beschreibt er, wie er zur Gitarre kam - ich hab’
meinem Vater zu verdanken, dass ich ebenfalls auf dieses
Instrument umstieg und mir ebenfalls irgendwann dieses "Monday,
Monday“ auf-drückte. Nach dem Abitur mit Facharbeiterbrief musste
ich, wie CÄSAR, zur Fahne. Er spielte dort in einer Band, ich in
einem Berliner Singe-Klub.
Als ich 1970 die Uniform wieder auszog, erlebte ich besagtes
Renft-Konzert an einem Sonntagmorgen gemeinsam mit meinem Vater
-
es gibt solche Momente, die man festnageln möchte! |
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In jenen Jahren habe ich mir die Renft-Platten gekauft und mir die
Autogramme der Musiker darauf geholt. Gleiches habe ich später mit den
Scheiben von Karussell gemacht. Als ich schon längst beruflich „in der
Kultur“ tätig war, konnte ich mir endlich den Wunsch erfüllen und selbst
ein Konzert mit CÄSAR und Karussell organisieren. Das war am 18.
November 1978 und noch heute sehe ich mir die damals entstandenen Fotos
gern an.
Nach der politischen Neubewertung unserer Lebensleistungen wollte auch
ich nichts mehr mit alledem zu tun haben - ich konnte mir eine weitere
Steigerung einfach nicht vorstellen. Stattdessen erlebte ich endlich
einen Bruchteil meiner Jugendsünden LIVE: Deep Purple, Pink Floyd,
Jethro Tull, Rolling Stones, McCartney und natürlich The Who !
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Am 9. Oktober 2006 starb Klaus Renft am Krebs.
Mein Vater und mein Schwiegervater mussten auch diesen Wege
gehen. Das Gedenkkonzert für Klaus, das zu besuchen ich mich
spontan entschlossen hatte, war wieder mal so ein Moment. Da
oben "auf der Rampe“ standen sie wieder:
CÄSAR, Monster, Beyer und Heinz.
Von da an geschah alles wie im Selbstlauf: das Weihnachts-konzert mit CÄSAR & den Spielern BigBand, die
Konzerte mit Lift, Pond, Kerth, CITY, Electra oder Thomas NatschinskiI. |
Ich lebe meine Musik endlich wieder und irgendwie schließt sich der
Kreis, CÄSAR und sein freundliches Umfeld (Tamara, Achim, Kuo, Dietmar)
eingeschlossen.
Hey Alter, so wie mir geht’s tausend Anderen in diesem Land. Du, Deine
freundliche Schlichtheit und Deine Musik haben viele Biografien, meine
inbegriffen, geprägt und verändert. Wir haben unsere Höhen und Tiefen
erlebt, unsere Wunden geleckt und uns oft gegen den Strom
aufgerichtet. Wir haben uns nicht "wenden" oder dauerhaft benutzen
lassen. Wir haben immer auch gelernt, wir sind aufgestanden und weiter
gestolpert und Du hast mit Deiner Musik und als Mensch so vielen
Menschen Mut und Kraft gegeben. Du wirst diesen Krebs besiegen!
Es ist die Zeit, da wir zu geben haben -
Mut, Zuversicht, Hoffnung und Kraft.
Diesmal sind es deine Fans, solche wie ich und andere, die Dir sagen,
der Augenblick wird kommen, der Moment, wo Du wieder auf einer Bühne
stehen, Gitarren spielen und singen wirst.
Du wirst im nächsten Jahr einen runden Geburtstag feiern.
Dann werde auch ich meinen 60sten haben und, lieber CÄSAR, wir werden
das gemeinsam tun und uns auf Kommendes und neue Momente in unserem
Leben freuen, auf einen
"Lebenstraum in Dur".
von HH aus EE, November 2008
In Memoriam
Gerhard
Zachar und Henry Pacholski
L I F T
Diese Nacht des 15. November 1978, irgendwo auf einer Landstraße in Polen,
war nicht nur diesig und dunkel, sie war schwarz. Sie war eine
rabenschwarze Unglücksnacht für die Dresdner Gruppe
LIFT
und die Rockszene der DDR ebenso.
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In dieser Nacht verloren der Bandleader und Bassist,
Gerhard Zachar sowie der
begnadete Texter
und einfühlsame Sänger,
Henry Pacholski, ihr Leben.
Irgendwo da draußen vor 30 Jahren zerbarst die Hoffnung auf eine
großartige Bandkarriere.
Der brutale Riss ging seither mitten durch die Gruppe,
Einzelinteressen ließen sich kaum noch miteinander verschmelzen,
fehlte doch mit Gerhard Zachar der Integrationscharakter, der
die musikalischen Individualisten hätte einen können. Auch durch
die Familien der Musiker ging der Riss.
Dennoch raufte sich die Band um den Kern Patzer, Scheffler und
Lohse zunächst wieder zusammen und spielte unter dieser widrigen
Umständen die nächste Platte ein. |
Beim Entstehen selbiger konnte sich Wolfgang Scheffler als Komponist
profilieren und konsequenter Weise trägt die LP „Spiegelbild“ auch seine
musikalische Handschrift. Man hört den Versuch, die Grenzen und
Spielräume in Richtung Jazz auszuweiten, den Sound zu schärfen und so
ein komplexeres Klangbild entstehen zu lassen.
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Mit
„Am Abend mancher Tage“
enthält diese Scheibe einen Allzeit-Klassiker, mit dem die Band das tragische Geschehen musikalisch
verarbeitet und den Blick nach vorn zu richten versucht.
Wenn Dirk Michaelis
„Als ich fort ging“
sein „Yesterday“ nennt, kann
Wolfgang Scheffler für
„Am Abend mancher Tage“
sicher eine ähnliche
Formulierung beanspruchen.
Dennoch war der Verlust zweier stilprägender Musiker, des Bandleaders
und des Sängers, auf Dauer nicht zu kompensieren und folgerichtig kam es
1984 zum Bruch in der Gruppe. Zwar wurde noch als Quartett mit Hans „Die
Geige“ Wintoch die Single
„Sage mir alles / Immerfort“
veröffentlicht, aber die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten.
Wolfgang Scheffler, der vorher schon solistisch unterwegs war, verließ
die Band, um eigene Ambitionen zu verwirklichen. Auch Till Patzer, das
letzte verbliebene Gründungsmitglied von
LIFT,
war der bandinternen Rangeleien überdrüssig und ging. Eine neue
Mannschaft um Werther Lohse, der Letzte aus der Original-besetzung und
von nun an nur noch Sänger, spielte 1987 noch die LP „Nach Hause“ ein.
Damals schien mir die Platte ein halbherziges Zugeständnis an den
Zeitgeist zu sein und ein Versuch, mit neuen Musikern neue Räume zu
erschließen. Spätestens im Wendeherbst 1989 war aber auch dieser Versuch
Geschichte.

Heute, 30 Jahre weiter, kann man höchstens vermuten, was hätte sein
können: Möglichweise hätten Heubach und Scheffler an den Tasten für
Pacholski’s Texte Melodien gefunden, die schlicht schöne und ergreifende
Rockpoesie hätten sein können. Ohne den Unfall, so Till Patzer in einem
persönlichen Gespräch, wäre unter Gerhard Zachar’s Leitung noch genug
Potential für weitere Projekte gewesen.
LIFT
steht für mich persönlich heute noch immer als Synonym für eine ungemein
intensive Zeit des Schöpfertums sowie des kreativen Suchens vieler Bands
und Künstler im damaligen Land. Gerhard Zachar und Henry Pacholski sowie
viele andere „Gundermänner- und Frauen“ stehen stellvertretend für viele
kulturelle und künstlerische Leistungen, auf die wir noch heute, trotz
der Widrig- und Widersprüchlichkeiten unserer Biografien, unheimlich
stolz sein dürfen, denn es war unsere Zeit, unser Leben und unsere Liebe
zu einer Musik und Kunst in unserem gemeinsamen Lebensumfeld.
Die Jubiläumsaktivitäten zum 35. Jahrestag der Bandgründung haben diesen
Gedanken für meine Begriffe, wenn überhaupt, dann nur ungenügend
Rechnung getragen. Dies zu bewerten, steht mir nicht zu, aber
auszudrücken, was mich bewegt, kann ich mir als Fan nicht verkneifen.

Heute, 35 Jahre nach Bandgründung und des Öfteren für den stillen Hauch
eines
LIFT-Konzertes,
hangeln sich die Gefühle und Sehnsüchte vieler Besucher noch manchmal an
ihren Erinnerungen und den wunderschönen Melodien entlang und manch
einer denkt dabei auch an die großartigen Menschen, die einst den Sound
der Band geformt und geprägt haben:
Gerhard Zachar und Henry Pacholski.
In diesen Tagen Mitte November und 30 Jahre später
sollten wir Ihrer gedenken und glücklich sein,
eine solche Zeit miterlebt zu haben.

Danke an Uwe Steffen, Annaburg
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